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Spezialisten aus drei Ländern formulieren „Welser Erklärung“

Wels/OÖ - von Adelheid Krause-Pichler - Vom 17. bis 19. September fand im idyllischen oberösterreichischen Wels die 41. D-A-CH – Tagung der Berufsverbände aus Österreich (AGMÖ), der Schweiz (SMPV) und aus Deutschland (DTKV) zum Thema "Die Kinderstimme zwischen iPod und mp3" statt.

In Folge der abschließenden Plenardiskussion forderten die Spezialisten der drei Länder von der Politik die richtige Weichenstellung zur Etablierung des "selbstverständlichen Singens" mit Kindern in Familien, Kitas und in der Schule. Die so genannte "Welser Erklärung" wird zeitnah veröffentlicht. 

Die Teilnehmer der diesjährigen DACH-Tagung bei einer Führung durch das Instrumentenmuseum auf
Schloss Kremsegg.  Foto: Richard Schaffner 

Die Begrüßung durch den Landesmusikdirektor Walter Rescheneder und die gastgebende Direktorin der Landesmusikschule Wels, Martina Franke, war herzlich und sichtlich geprägt durch den Stolz auf die neu hergerichtete Musikschule in den Mauern des alten Baudenkmals Herminenhof, auf die wohl so manche Musikhochschule in der Schweiz oder in Deutschland neidisch blicken könnte.

Prof. Walter Rehorska, Präsident der einladenden Arbeitsgemeinschaft Musikerziehung Österreich, konnte zehn renommierte Fachreferenten präsentieren, die rund um die Kinderstimme informierten:

Christiane Franke (Projektleiterin des Netzwerks „Musik in Bayern“) berichtete gemeinsam mit ihrem Kollegen Karl Zepnik (künstl. Leiter der Bayerischen Musikakademie Marktoberdorf) über das Projekt „Lehrer singen – Kinder klingen“.  Dieses Fortbildungsprojekt setzt in erster Linie auf Qualität, Nachhaltigkeit und Übertragbarkeit; es wendet sich an Lehrer, die in Grundschulen kindergerechtes Singen praktizieren sollen, mit dem Ziel, Chorklassen zu gründen, in denen viermal wöchentlich gesungen wird.

Christiane Fischer, die Leiterin der  Singschule Wien, konnte die Teilnehmer der Tagung nicht nur durch den Einblick in ihre Arbeit mit Kindern, sondern durch eine spontane Singstudie mit den Anwesenden begeistern.

Erika Aeschlimann (Fachbereichsleiterin Chorklasse an der Musikschule Konservatoriums Bern) gab unter dem Titel „Singen ist klasse!“ Einblick in ihre pädagogische Arbeit mit Kindern und Lehrern in der Schweiz.

Dr. Elke Nagl (Gesangspädagogin an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) berichtete mitreissend und sehr aufschlussreich anhand mehrerer Beispiele in Video-Clips über ihre Musicalsprojekte mit Jugendlichen und wies auf das spezielle Eingehen auf die Schüler in der Mutationsphase hin.

Yoshihisa Matthias Kinoshita (Dozent für Kinderchorleitung an der Hochschule für Musik und Theater München) kam auf die Problematik der symbiotischen Beziehung der heutigen Kinder zu iPod und mp3 etc. zu sprechen. Der Dauereinsatz von Audiogeräten berge zwangsläufig die Gefahr zur Isolation in sich und könne Kommunikationsstörungen verursachen.

Marcel Dreiling (Musikdirektor des Schwäbischen Chorverbandes) mahnte den richtigen, kindgerechten Umgang mit dem Instrument Stimme an. „Der Brummer im Kinderchor“ sei zu 90 % ein Produkt falscher Stimmführung und nur selten ein stimmunbegabtes Kind.

Dr. Salome Zwicky (Fachärztin HNO mit Spezialgebiet Phoniatrie) konnte an einer über Jahre im Einzugsbereich ihrer Praxis durchgeführten auditiven Prüfungen (Singtests) erstaunliche Ergebnisse vorweisen. Sie belegte den fundamentalen Zusammenhang von Stimme an sich aus medizinischer Sicht und Sprach-, Sprechentwicklung bzw. Förderung.

Prof. Dipl.-Päd. Werner Jocher, der bereits die Grundlagen über die „Physiologie der Kinderstimme“ in seinem aufschlussreichen Einführungsvortrag behandelt hatte, stellte weiters „Neue wissenschaftliche Ergebnisse zu den Leistungen der Sing- und Sprechstimmen, sowie zu den Registern bei 8 bis 10-jährigen Kindern“ vor. Auch Prof. Jocher resumierte, dass Singen im Kindesalter notwendig sei, denn "je öfter gesungen werde, desto stärker bildeten sich die entsprechenden Synapsen im Gehirn aus.“

Werner Schmitt (ehem. Direktor der Musikschule Konservatorium Bern) unterstrich als Vorsitzender der Yehudi Menuhin Stiftung Deutschland argumentreich den Ruf nach mehr selbstverständlichem Gesang im Kindesalter.

Die abschließende Formulierung der "Welser Erklärung" zeichnete die 41. Dach-Tagung  somit nicht nur als Informationsveranstaltung zum Austausch zwischen den drei teilnehmenden Ländern aus, sondern als höchst brisantes kulturpolitisches Ereignis.

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